Radio Hazzard of Darkness

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Tourauftakt war am 17.10.2017 im Blue Shell in Köln... für mich sozusagen ein Heimspiel.
Klar musste ich da unbedingt hin!
Hemesath waren mir auf dem Castle Rock im Sommer sehr nachhaltig in den Ohren hängen geblieben. Da hatte ich großen Hunger auf mehr Live-Sound.
Mit Nervenbeisser hatte ich definitiv noch „eine Rechnung offen“. 2 in Köln geplante Gigs mussten kurzfristig abgesagt werden, also hatte ich bislang nur das Vergnügen mit Konserven oder Videos und war entsprechend neugierig darauf, wie die Band um Olaf und Walter auf der Bühne rüberkommt.
Amandas Nadel hätte ich auch gern gehört und gesehen, aber seine Tour-Auftritte mussten leider krankheitsbedingt abgesagt werden. Gute Besserung an der Stelle!

The Snatcher
Der Opener des Abends in Köln ist gleichzeitig Bonbon und Trostpflaster. Der Mann im feinen Zwirn war mir schon vor dem Konzert aufgefallen, aber die Verbindung zum „Puppenspieler“ stellte meine Denkfabrik erst her, als er dann auf der Bühne stand.
Feine Texte, von elektronischen Sounds begleitet ... wobei sich für mich die Idee irgendwie gut anfühlt, ihm live ein paar Musiker an die Seite zu stellen. Ich wäre gespannt auf die dadurch gewonnene kreative Freiheit.
„The Snatcher“ - dich behalt ich im Auge, versprochen!

Die Umbaupause habe ich für einen ausgiebigen Schwatz mit Rolf, dem Inhaber des Blue Shell, genutzt. Mit 17! Jahren hat er sich den Laden unter den Nagel gerissen. Ich selbst habe das Blue Shell mit 17 entdeckt, als ich das „Kwartier Latäng“ (die Kölner Studentenmeile) für mich eroberte. Das waren wilde Zeiten im Bermuda-Dreieck (Blue Shell - Luxor - Rose Club). War mir ein absolutes Fest, an diesem Abend neben dem Genuss musikalischer Schätze auch ein wenig in Erinnerungen zu kramen.

Im dritten Anlauf rocken Nervenbeisser Köln
Als dann Nervenbeisser die Bühne erobern, ist aber schlagartig Schluss mit Nostalgie.
Das Intro hat mich sofort mitgerissen. Allein was da über das digitale Intro an purer Kraft von der Bühne ins Publikum strömte, war kaum zu fassen! Nachdem ich ja schon das eine oder andere Stück gehört und ein paar Videos gesehen hatte, war ich zwar durchaus auf einen kraftvollen Auftritt vorbereitet, aber diese Intensität direkt zu Beginn des Gigs hat mich dann doch kalt erwischt.
Schon bei „Verkehrte Welt“ vom neuen Album „Zeitenwandel“ war ich versucht, bei: „Hey - du - auf den Kopf gestellt“ lauthals mitzusingen. Das hat mich tatsächlich überrascht, weil ich eigentlich eher zurückhaltend lausche und beobachte, wenn mir eine Band zum ersten Mal live begegnet.
Weil aber Nervenbeisser eins sicher nicht haben, nämlich Geduld mit überraschten Lauschern, kam der nächste Brecher gleich hinterher. „Ein letztes Mal“, ebenfalls vom neuen Album, legte direkt mit den ersten Klängen den Schalter in meinem Kopfkino um und machte den Weg frei für all die letzten Male, die in meiner Denkfabrik so scheinbar gut verpackt lagern.
Ich hatte arge Mühe, mich ab und zu auf meine Kamera zu konzentrieren... Für die wirklich guten Aufnahmen war zwar Peter Bernsmann von Stagepixel.de mit an Bord, aber frau will halt auch ein paar eigene Fotos für Schatzkästchen.
Die ersten Töne von „Deine Angst“ krochen mir dann scheinbar beruhigend den Nacken hoch. Vertrautes Terrains ... ein Stück aus den Album „Geschlechterschlacht“ aus dem Jahr 2015, mit dem ich mich schon ausgiebig auseinandergesetzt hatte.
Also kurz durchatmen...
Da ich ja aber nicht auf dem heimischen Sofa saß, sondern Nervenbeisser live gegenüberstand, folgte doch eher Schnappatmung. Ich mag dieses Stück sehr, aber live ist es noch viel kraftvoller, als ich es von der CD kenne.
Olaf donnert „Es ist deine Angst“ von der Bühne, und frau sucht automatisch irgendwie irgendwo Halt.
Spätestens nach diesem Titel hab ich mir den Gedanken an durchatmen abgeschminkt.
Atmen verschiebe ich auf viel später und lasse mich von „Zeitenwandel“, dem Titel-Track des neuen Albums von Nervenbeisser mitreißen.
Harte elektronische Sounds mischen sich mit kraftvollen Beats und Riffs, die gemeinsam mit Text und Stimme mitten ins Hirn treffen. Du MUSST dich einfach bewegen und leise „es ist Zeit“ intonieren.
Auch die folgenden 2 Titel vom neuen Album „Zeitenwandel“ holen mich in inzwischen erwarteter Intensität ab.
Sowohl „ DU gehst“ als auch „Todesengel“ gehen mir einmal mehr im wahrsten Sinne durch Mark und Bein. Ich schließe die Augen und tanze... singe mit... und feiere ganz für mich allein, was mein Kopfkino zu diesem Sound an Bildern über die hauseigene Leinwand schickt.
Vor dem (in Köln) vorletzten Titel hab ich mich offen gestanden etwas gefürchtet. Ich hab ja absolut nichts gegen „Cover“, aber wenn ich einen Song sehr mag, oder persönlich besonders mit ihm „verbunden“ bin, bin ich gern mal über Gebühr kritisch, muss ich gestehen. 
„Bitte, Bitte“ von Tanzwut ist nun definitiv ein Titel, der mir sozusagen „heilig“ ist. Ich wusste sehr wohl, dass Nervenbeisser diesen Song im Repertoire haben, hatte ihn aber sehr bewusst noch nie angehört.
Also jetzt Premiere oder weglaufen?
Premiere, was sonst! Frau ist ja neben neugierig auch musikhungrig...
Und frau wurde auf appetitlichste Weise gesättigt! Gitarren, Drums und Vocals lieferten eine gar wundervolle Version. Chapeau, die Herren!
Abgerundet wurde der Augen- und Ohrenschmaus durch den Opener des Geschlechterschlacht-Albums. Hmmmmm ... Nervenbeisser, Nervenbeissssssssser ... Dessert mit Sahnehäubchen!
Damit verließen in Köln die Herren Nervenbeisser die Bühne ... In Wuppertal bekam ich Glückskind noch den „Feuerteufel“ auf die Lauscher.
Anderenorts durfte man auch noch dem „Goldenen Käfig“ lauschen - da hab ich eindeutig Nachholbedarf. Nach dem Konzert ist eben immer vor dem Konzert. Nervenbeisser halte ich definitiv immer wieder gerne meine Lauscher hin!


Zum Luft schnappen und für das eine oder andere Schwätzchen ging es dann vor die Türe des Blue Shell. Der Tenor war ganz eindeutig positiv. Alle Gäste waren durchaus sehr angetan vom bislang gebotenen Sound. Das Intro von Hemesath trieb uns aber recht schnell wieder zurück in den Club und vor die Bühne.


Hemesath - die Headlinder der Herbststurm-Tour 2017 live on stage
Wie schon bei Nervenbeisser erlebt, musste ich mich auch jetzt wieder gegen die Energie wappnen, die mir da entgegentoste. Das erlebte ich definitiv stärker, als beim Castle Rock-Festival im Sommer.
Erlösung überrollte mich förmlich - aber nein, „keine Angst“!
Bei „Durch das Feuer“ hat es mir vor allem der Wechsel von „hart“ zu... sagen wir „balladesk“ im Refrain angetan. Frontmann Christoph geht diese Brüche auch optisch zu 100 % mit. Das ist sowohl akustisch als auch visuell einfach gut gemacht.
Bei diesem Titel wird auch sehr deutlich, dass es bei Hemesath mehr als einen „Kopf“ gibt. Neben Christoph weiß auch André mit seinem Saitenspiel das Publikum in seinen Bann zu ziehen.
Während ich noch genau darüber nachdenke, donnert mir das Intro von „Vater“ in die Gehörgänge. Der Text besticht durch klare Worte statt Rumgeeiere und die Instrumente unterstreichen die Botschaft durch harte Riffs und Beats. Gefällt mir außerordentlich gut!
„Mein Spiel“ scheint anfangs eher ein Stück zu sein, bei dem ich kurz ausruhen kann, aber weit gefehlt. Hier ist es eindeutig der Text, der mitten ins „schwarze“ Herz trifft. Die Musik bleibt anfangs angenehm im Hintergrund und lässt mir Raum, mich auf die Gedanken einzulassen, die die Worte in meiner Denkfabrik anstossen.
Mit „Bleib bei mir“ und „Schmerz“ folgen nun 2 Titel, die mir nicht digital vorliegen. Da regt sich doch gleich die Hoffnung, dass es bald neues Hörfutter geben könnte?!
„Feuer frei“ lässt vom Text her einmal durchblicken, dass Hemesath nicht gewillt sind, seichte Texte zu verfassen. Ich muss zugeben, dass ich mir den Titel Daheim noch mehrfach anhören musste, bis ich neben den Lyrics auch Raum hatte, die Musik aufzunehmen. Aber genau das gefällt mir - Titel, die mich nachhaltig beschäftigen!
„Rot, so rot“ ... ein Stück voll verstörender Bilder fürs Kopfkino und Sounds, die zwischen druckvoller Härte und melodiösen Klängen wechselt. Leichte Kost ist das eindeutig nicht.
Nach diesem wundervoll eckig-dreckigen Titel kommt die „Liese“ wirklich genau richtig. Seicht ist auch dieses Stück bei weitem nicht, aber die Melodie umschmeichelt mich so angenehm, dass ich tatsächlich beginne, mich sanft zur Musik zu wiegen.
Moment mal! NDH und ich wiege mich zur Musik?
Geht denn das? Darf denn das? JA!
Als nächstes gab es mit „Das eine Leben“ wieder ein Stück, das mir nicht von meinen CDs bekannt war. Das schürt die Hoffnung auf einen neuen Silberling weiter.
„Hannibal“ holt mich mit druckvollen, harten Riffs ab und präsentiert mir kurz und knackig menschliche Abgründe. Keine Schnörkel, keine flaches Geträller. Friss oder stirb!
Und dann? Jaaaa ... dann gab es eine Welturaufführung im Blue Shell.
Hemesath spielten mit „Flieg“ einen Titel, der erst in der Woche vor dem Tour-Auftakt fertig geworden war.
Und ich stand sprachlos mit feuchten Augen vor der Bühne. Dieses Stück hat mich so heftig aus der Kurve geworfen, dass ich nach dem Konzert direkt nachfragen musste, ob und wann es digital zu bekommen ist.
Aber erst mal Tränchen abwischen und dem „Krieger“ und anschließend „Lauf“ lauschen, bevor Hemesath mit „Aus die Maus“ einen absolut eingängigen Titel präsentieren, bei dem ich einfach mitsingen muss. Ich merke schnell, dass es a) nicht nur mir so geht und b) durchaus gewollt ist. Christoph animiert uns nachdrücklich, in den Refrain einzusteigen.
Mit „Schwarzer Engel“ und „Für Euch“ endete der musikalische Teil des Abends im Blue Shell.
Besonders gefreut hat mich persönlich, dass ich nach dem ersten Konzert auch das letzte der Herbststurm-Tour erleben konnte.
Standen in Köln noch 2 Bands nacheinander auf der Bühne, waren es in Wuppertal 9 bzw. 10 (Peter Bernsmann von Stagepixel.de, der die Tour aufs wundervollste fotografisch begleitet hat, muss da aus meiner Sicht absolut mitgezählt werden!) Freunde, die wechselweise auf und vor der Bühne standen und sich gegenseitig feierten. Das zu erleben war schon großartig!

1000 Dank an die Herbststürmer von Hemesath und Nervenbeisser für 2 unvergessliche Konzerte.

 

Autor: Pixie